Biografie
Bernfried E. G. Pröve
Bernfried E. G. Proeve ist ein deutscher Konzertpianist und Komponist, bekannt für seine interpretationsstarken Darbietungen der Werke von J. S. Bach, L. v. Beethoven, Franz Schubert, Robert Schumann und Felix Mendelssohn Bartholdy, moderner Avantgarde-Komponisten wie I. Xenakis, P. Boulez, K. Stockhausen und B. A. Zimmermann sowie eigener Klavierwerke. Pröves Spiel vereint technische Präzision mit tiefem emotionalen Ausdruck.
Er gilt als Spezialist für die polyphone Struktur der Barockmusik (Einspielung des Wohltemperierten Klaviers von J. S. Bach, Band I und II), interpretiert aber auch romantische und moderne Werke mit äußerster Transparenz.
1989 gewann er den 3. Preis und 1990 den 1. Preis beim Kompositionswettbewerb der Landeshauptstadt Stuttgart. 1995 erhielt er den Preis des International Forum of Young Composers Montréal, den 2. Preis beim Carl-Orff-Opernwettbewerb und den 2. Preis beim Europäischen Kompositionswettbewerb Metz.
Pröve setzte sich schnell als gefragter Solist durch und konzertierte häufig mit dem Hochschulorchester der UdK Berlin unter der Leitung von Stefan Anton Reck. Seine Debüt-CD mit eigenen Werken (2007) wurde von der Kritik enthusiastisch gefeiert; darauf finden sich u. a. sein 5. Streichquartett (Arditti String Quartet) und das Werk „Merz-Transitus“ nach Texten von Kurt Schwitters.
Pröve arbeitete mit Dirigenten wie Peter Eötvös, Stefan A. Reck und Lothar Zagrosek zusammen und widmete sich auch der zeitgenössischen Musik, u. a. mit Aufführungen von Werken György Kurtágs, Helmut Lachenmanns („Ein Kinderspiel“) und Iannis Xenakis' („Herma“, „Evryali“).
Neben seiner Konzerttätigkeit unterrichtet er seit 2000 an der CJD-Musischen Akademie Braunschweig und gab Meisterkurse für Klavier in Skopje (Nordmazedonien), Daegu (Südkorea) sowie Xiamen, Peking und Haikou (China). 2007–2008 unterrichtete er als Professor di Musica an der Scuola Germanica, Italien. Wesentliche Impulse erhielt er durch Meisterkurse bei Pierre-Laurent Aimard (Paris) und Marc-André Hamelin (Kanada/USA).
Lebenslauf: Ein Weg der Exzellenz
Frühe Ausbildung und Studium. Pröve begann bereits im Alter von neun Jahren mit eigenen Kompositionen. Mit 14 Jahren erhielt er ein Stipendium der Städtischen Musikschule Braunschweig für eine vorberufliche Fachausbildung, in deren Rahmen er bei Hans-Dieter Meyer-Moortgat und Prof. Karl-Heinz Kämmerling Klavier studierte.
- Universität der Künste Berlin: Abschluss des Studiums der Schulmusik (Hauptfach Kirchenorgel) und Komposition bei Prof. Isang Yun im Jahr 1986.
- Aufbaustudium (1986–1991): Komposition (Prof. Klaus Huber), Dirigieren (Prof. Francis Travis), Elektronische Musik (Prof. Mesias Maiguashca) und Musiktheorie (Prof. Peter Förtig), abgeschlossen mit dem Diplom 1994.
- Internationale Spezialisierung: Kompositionskurse bei Franco Donatoni, Elliott Carter und Gérard Grisey; 1995 der „Cursus de composition et d'informatique musicale“ am IRCAM in Paris.
- Promotion und Dirigieren: Doktorand an der École des Hautes Études en Sciences Sociales bei Hugues Dufourt; 1996–1998 Dirigierstudium bei Peter Eötvös.
Karrierehöhepunkte und Lehrtätigkeit. Pröve erhielt zahlreiche Preise und Stipendien, darunter das Stipendium der Villa Massimo in Rom (1994/95), den Carl-Orff-Preis für Opernkomponisten und den 1. Preis der Landeshauptstadt Stuttgart für sein Orchesterwerk „ANTHAER“. Meisterkurse führten ihn nach Seoul, Peking, Shanghai und Skopje; seit 2000 lehrt er an der CJD-Musischen Akademie Braunschweig, 2007–2008 war er Professor di Musica an der Scuola Germanica in Italien.
Künstlerisches Statement: Philosophie und Einflüsse
Pröves künstlerische Identität ist dual geprägt: Er ist sowohl als interpretationsstarker Pianist als auch als visionärer Komponist weltweit gefragt. Als Pianist gilt er als Spezialist für die polyphonen Strukturen der Barockmusik – dokumentiert durch Einspielungen des Wohltemperierten Klaviers –, sein Spektrum reicht jedoch bis zu den komplexen Werken der modernen Avantgarde.
Klangästhetik: Seine Werke zeichnen sich durch Transparenz und eine Verbindung
von musikalischer Struktur mit emotionaler Tiefe aus.
Tradition: Intensive Auseinandersetzung mit J. S. Bach, Beethoven,
Schubert und Schumann.
Moderne: Interpretation und Inspiration durch I. Xenakis, P. Boulez und
K. Stockhausen.
Repertoire
- Scarlatti: Sonaten · J. S. Bach: Wohltemperiertes Klavier Band I und II
- Händel: Chaconne
- W. A. Mozart: Sämtliche Klaviersonaten, Fantasie d-Moll
- L. v. Beethoven: 32 Klaviersonaten; Klavierkonzerte Nr. 1, 2, 4 und 5
- Franz Schubert: Sonate B-Dur, Sonate A-Dur („Frühlingssonate“)
- Felix Mendelssohn Bartholdy: Rondo capriccioso, Lieder ohne Worte
- Robert Schumann: Davidsbündlertänze, Abegg-Variationen, Novelletten, Symphonische Etüden
- Franz Liszt: Sonate h-Moll, Funérailles, Consolations, Études d'exécution transcendante
- Claude Debussy: Préludes Band I und II
- Maurice Ravel: Gaspard de la nuit, Miroirs, Jeux d'eau
- Olivier Messiaen: Vingt regards sur l'Enfant-Jésus
- Arnold Schönberg: Suite für Klavier, Klavierstücke
- Anton Webern: Variationen op. 27
- Pierre Boulez: Klaviersonate Nr. 1, Notations
- Karlheinz Stockhausen: Klavierstück IX
- Iannis Xenakis: Herma, Evryali
- Bernfried E. G. Proeve: Klaviersonaten I–XIII, Drei Klavierstücke für Sheila Arnold, Klavierstücke, Walzer G-Dur, „Die Zeitmaschine“, „Salto“ für Klavier solo, „Norwegian Boots“, „Études révolutionnaires I–XIII“
Vermittlung von Computermusik
Die Vermittlung von Computermusik und Klangkunst verstehe ich nicht nur als reine Wissensvermittlung, sondern als einen kollaborativen Prozess der ästhetischen Sensibilisierung, der technischen und technologischen Aneignung sowie der Etablierung der eigenen musikalischen Sprache, Ästhetik und des eigenen Stils. In meiner bisherigen Lehrtätigkeit – als Rechercheur am IRCAM Paris, am Studio für Elektronische Musik Freiburg, am Experimentalstudio des SWR Freiburg und am Elektronischen Studio der TU Berlin – habe ich eigene Lehrkonzepte entwickelt.
Mein Ansatz der Vermittlung elektronischer, Computer- und Synthesizermusik basiert auf drei Säulen:
- Technische Grundlagen als Ausdrucksmittel: Ich vermittle nicht nur algorithmisches Denken, Sensorik, Spatial Audio, Max-Live-Elektronik, Ableton, Logic, Cubase sowie analoge, digitale und hybride Schaltungstechnik, sondern stets deren ästhetisches Potenzial.
- Kuratorisches Lernen: Studierende übernehmen durch die gemeinsame Organisation von Konzerten, Installationen und Performances kuratorische Verantwortung.
- Betreuung auf Augenhöhe: Die Begleitung künstlerischer Doktorate verstehe ich als Mentoring auf Augenhöhe – durch den Prozess der künstlerisch-wissenschaftlichen Forschung begleitet, mit dem Ziel, eine kritische Reflexion der eigenen Praxis zu fördern, ohne die künstlerische Autonomie zu beschneiden.
Im Bereich der Klangkunst bin ich ein aktiver, international ausstellender und auftretender Künstler (u. a. Ars Electronica, ICMC, IRCAM Paris, CTM, ZKM).